16. Dezember 2015 MM

Helmholtz-Validierungsförderung wird ausgebaut und ermöglicht weitere Projekte

Zukunftsweisende Technologien weiterzuentwickeln und für die Wirtschaft attraktiv zu machen, erfordert oft einen langen Atem. Besonders vielversprechende Projekte von Forscherteams aus der Helmholtz-Gemeinschaft werden dabei aus dem Helmholtz-Validierungsfonds (HVF) unterstützt. In einer ersten Förderperiode von 2011 bis 2015 wurden insgesamt 21 Projekte ausgewählt. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Evaluation wird das Programm nun in den Jahren 2016 bis 2020 fortgesetzt. Die ersten drei Förderprojekte der neuen Programmphase wurden im Dezember von Experten des Entscheidungsboards ausgewählt. Mit diesen Vorhaben könnten sich völlig neue Wege eröffnen, um Krankheiten wie Krebs, Osteoporose oder Alzheimer besser zu diagnostizieren und zu behandeln.

Einige der Projekte aus der ersten Programmphase sind bereits erfolgreich am Markt gestartet. „Das war auch ein wesentlicher Grund für die erfolgreiche Evaluation des Validierungsfonds und die Entscheidung, ihn fortzusetzen“, sagt Rolf Zettl, der Geschäftsführer der Helmholtz-Gemeinschaft. „Damit verbunden ist auch eine deutliche Erhöhung des HVF-Budgets, um noch mehr spannende Technologien aus den 18 Helmholtz-Zentren in die Anwendung zu bringen.“ Insgesamt sind für die nächsten fünf Jahre jeweils 7,5 Millionen Euro für die Unterstützung von Validierungsprojekten vorgesehen.

Den Empfehlungen der Evaluation folgend werden zudem flexiblere Konditionen eingeführt. So ist es den Helmholtz-Zentren und den Partnern aus der Wirtschaft künftig möglich, die Höhe der Ko-Finanzierung innerhalb eines dreistufigen Systems zu wählen. Im Zuge einer EU-weiten Ausschreibung ist das externe Fondsmanagement an die Peppermint VenturePartners GmbH aus Berlin vergeben worden. „Ich freue mich, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit der letzten fünf Jahre fortgesetzt werden kann“, sagt Klaus Stöckemann, Geschäftsführer des Venture Capital-Unternehmens. „Helmholtz bietet wirklich ein großes Potenzial für HighTech-Innovationen, die in die Anwendung überführt werden können.“

Die ersten drei Projekte, die in der neuen Programmphase gefördert werden, sind:

Next generation BrainPET Scanner

In den kommenden Jahrzehnten wird die Bevölkerung in den Industrieländern eine immer höhere Lebenserwartung haben. Damit wird auch ein Anstieg an neurologischen Erkrankungen erwartet. Für die Erforschung von Demenzerkrankungen, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen sowie für die Entwicklung weiterer Wirkstoffe sind bildgebende Verfahren enorm wichtig. Doch die Aussagekraft heute verfügbarer Verfahren wie CT, MRT oder PET sind begrenzt.

Das Team um N.J. Shah und Christoph Lerche vom Forschungszentrum Jülich wird einen neuen Hirn-Scanner-Einsatz entwickeln: Der Brain-PET 7T ist eine Kombination aus Positronen- Emissionstomographie und Ultrahochfeld-Magnetresonanztomographie. Er ermöglicht eine weitaus detailliertere Analyse neurologischer Erkrankungen und der ihnen zugrundeliegenden metabolischen und strukturellen Verbindungen. Im Rahmen des geförderten Projektes soll nun ein Prototyp entwickelt und anschließend auf den Markt gebracht werden. Das Projekt wird mit zwei Millionen Euro aus dem Helmholtz-Validierungsfonds gefördert.

Die KID-Biomarker Technologie

Osteoporose, Niereninsuffizienz oder Krebs sind Krankheiten, von denen große Teile der Bevölkerung betroffen sind. Eine frühzeitige Erkennung kann einen wesentlichen Beitrag zu einer effektiven Behandlung und zu einem gesteigerten Patientenwohl beitragen – und zudem Kosten im Gesundheitswesen senken. Ein Team um Anton Eisenhauer vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel hat jetzt ein neues Verfahren entwickelt, mit dem diese Erkrankungen präzise, frühzeitig und für den Patienten sicher diagnostiziert werden können: Die KID-Biomarker-Technologie basiert auf einer Kalzium-Isotopen-Analyse, die krankheitsbedingte Veränderungen des menschlichen Kalzium-Haushalts misst – und zwar bedeutend sensibler als herkömmliche Verfahren. Dabei reicht es, Urin oder Blut zu untersuchen. Eine Belastung der Patienten durch Röntgenstrahlen, Radioaktivität oder Kontrastmittel wird vermieden. Zudem wird nicht nur die Diagnose einfacher, sondern auch die Überwachung des Therapieverlaufs und der Wirkung von Medikamenten. In dem mit 600.000 Euro geförderten Projekt sollen nun in den kommenden zwei Jahren verschiedene Diagnostik-Dienstleistungen entwickelt werden.

Antikörper gegen Hirntumore

Glioblastome, also Hirntumore, zählen zu den Krebserkrankungen mit sehr schlechter Prognose für die Patienten. Keine andere Tumor-Art raubt ihnen so viele Lebensjahre. Auch die etablierten Therapiemöglichkeiten sind in ihrer Wirkung sehr begrenzt und sehr teuer. Ein Team um Reinhard Zeidler vom Helmholtz Zentrum München will die intracavitäre Radioimmuntherapie nun weiterentwickeln und in eine klinische Phase bringen. Ein eigens entwickelter und patentierter Antikörper bietet dafür vielversprechendes diagnostisches und therapeutisches Potenzial. Aus dem Helmholtz-Validierungsfonds wird das Vorhaben nun zunächst bis zu einem ersten Meilenstein gefördert. In Abhängigkeit von der Zielerreichung kann sich eine Anschlussfinanzierung in signifikantem Umfang anschließen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit rund 38.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von mehr als vier Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

 

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